Ich habe das Spiel inzwischen durchgespielt (hauptsächlich die Main Story plus ein paar Nebenquests) und bin am Ende auf etwa 61½ Stunden gekommen. Insgesamt hat mir das Spiel wirklich gut gefallen. Es war mein erstes Spiel aus der Tales of-Reihe, die bisher komplett an mir vorbeigegangen ist.
Die Story ist zwar sehr genretypisch und viele Wendungen sind recht vorhersehbar, konnte mich am Ende aber trotzdem überzeugen. Gerade zu Beginn ist das Spiel ziemlich linear: Man wird im Grunde von A nach B nach C geführt, ohne große Möglichkeiten, die Welt frei zu erkunden. Der Spieler wird Anfangs aktiv daran gehindert, vom vorgegebenen Weg abzuweichen. Gegen Ende wird das immerhin etwas aufgelockert.
Auch das restliche Spieldesign ist eher schlicht gehalten. Die Verbindungswege zwischen Städten bestehen meist aus schmalen Pfaden, die Städte selbst sind relativ klein, und auch die Dungeons bieten nur wenige optionale Wege oder Möglichkeiten, sich zu verlaufen. Erst später kommen vereinzelt Rätsel dazu, die etwas Abwechslung reinbringen.
Ich habe größtenteils auf Hard gespielt (nachdem ich anfangs kurz auf Normal unterwegs war). Der höhere Schwierigkeitsgrad fühlte sich deutlich fordernder an, während Normal stellenweise etwas zu leicht wirkte.
Trotzdem: Wenn man mit der eher einfachen Erzählweise und Charakterentwicklung kein Problem hat, entfaltet das Spiel durchaus seinen Charme. Tales of Graces versucht gar nicht erst, besonders tiefgründig oder düster zu sein – es ist vielmehr ein klassisches Bilderbuchabenteuer mit einer sympathischen Gruppe an Charakteren. Nicht mehr und nicht weniger. Der Spaß, den man an diesem Spiel haben kann, überwiegt jedoch bei weitem alle Schwächen, die das Spiel mit sich bringt.
Besonders gut gefallen hat mir das Kampfsystem. Es ist eine willkommene Abwechslung zu den gewohnten klassischen rundenbasierten Kämpfen und sorgt dafür, dass die Gefechte dynamisch ablaufen.
Nun zur Übersetzung:
Die Integration der PS3-Lokalisierung in die Wii-Version ist größtenteils gelungen. Es gibt noch ein paar kleinere Stellen, die weiterhin auf Japanisch sind – darunter einzelne Dialoge, einige Menütexte, vereinzelte Item-Beschreibungen sowie das Magic-Carta-Minispiel. Dazu kommen ein paar System-Menüs der Wii (z. B. Gesundheits- und Sicherheitswarnung, Nunchuk-Hinweise, Home-Menü, Batteriewarnung), die ebenfalls noch japanisch sind - aber wer mit der Wii vertraut ist weiß was gemeint ist und wo man gegebenenfalls hinklicken muss.
Diese Punkte fallen zwar auf, beeinträchtigen das Spielerlebnis aber kaum. Das Spiel ist problemlos von Anfang bis Ende spielbar, und wirklich wichtige Inhalte verpasst man dadurch nicht.
Alles in allem hatte ich eine sehr gute Zeit mit dem Spiel. Es hat definitiv mein Interesse an der Tales of-Reihe geweckt und ich halte bereits Ausschau ob ich irgendwo Tales of Symphonia (GameCube) und Tales of Symphonia: Dawn of the New World (Wii) günstig abgreifen kann, um zu sehen, wie sich andere Teile der Reihe schlagen.
EDIT - Kleiner Nachtrag:
Das Spiel ließ sich problemlos mit der WiiMote+Nunchuk oder dem Classic Controller Pro spielen und verzichtet auf jegliche Motion Controls (was einige von der Wii abschreckt). Überraschenderweise fand ich sogar die WiiMote+Nunchuk-Kombo am komfortabelsten - auf dem Classic Controller Pro hatte ich als langjähriger PlayStation-DualShock-Benutzer etwas Schwierigkeiten mit der Tastenbelegung, da die Aktions- und Abbrechen-Tasten hier vertauscht sind.